Zunächst freue ich mich sehr, dass mir der Programmbeirat das Vertrauen ausgesprochen hat, diese Rolle einzunehmen und ich nehme das als Verpflichtung wahr, den damit verbundenen Aufgaben gerecht zu werden. Was sind nun diese Aufgaben: Ich bin Moderatorin nach innen und Sprachrohr nach außen; das alles als Gleiche unter Gleichen. Das wird mir sehr leicht gemacht, weil wir ein Gremium von nur neun Personen sind, die alle hinter den Zielen und Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stehen, die über einschlägige Gremienerfahrungen verfügen und diskussionsfreudig die Beiträge der ARD beobachten und begleiten. Dazu kommt der regelmäßige Austausch über unsere oft auch kritischen Beobachtungen mit dem ARD-Direktorium und mit der Videoprogrammkonferenz (VPK). Nicht zuletzt bin ich stimmberechtigtes Mitglied der GVK (dazu später mehr) und trage in der ARD-Hauptversammlung unsere Arbeitsergebnisse vor.
Der Programmbeirat ist ebenso wie die Gremien der Landesrundfunkanstalten durch den Medienänderungsstaatsvertrag (MÄStV) vor neue, herausfordernde Aufgaben gestellt. Durch die klare Fokussierung auf die Zielerreichung der zentralen Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bekommt auch die Kontrolle durch die Gremien eine veränderte Verbindlichkeit. Neben der Qualität einzelner Beiträge, Formate oder Genres wird es zunehmend um eine Einschätzung der Erreichung zentraler Ziele gehen müssen, wie z. B. eines Programms für alle. Dazu haben wir in einer Arbeitsklausur Themen und Vorgehensweisen identifiziert – in diesem Jahr mit den Schwerpunkten Wahlberichterstattung und Sportgroßereignisse. Darüber hinaus wird es um die Aufgabenteilung mit dem Telemedienausschuss auf der ARD-Ebene und mit den Rundfunkräten und Programmausschüssen auf der Ebene der Landesrundfunkanstalten gehen müssen. Auch hier sind schon erste Verabredungen in den beiden Großthemen getroffen worden.
Die hat mit der komplizierten Rolle des Programmbeirats zu tun: Einerseits ist er lediglich ein Beirat, ein Beratungsgremium und hat daher begrenzte Einflussmöglichkeiten und schon gar keine Entscheidungsgewalt. Andererseits ist er das einzige Gremium, dass das Gemeinschaftsprogramm als Ganzes in den Blick nimmt und dazu in den entsprechenden Gremien Stellung nimmt. Meine Mission besteht darin, für den Programmbeirat und mit den anderen Gremien für gemeinsame Arbeitszusammenhänge Verfahren zu etablieren, in der wir den Aufgabenstellungen gerecht werden können. Meine, wenn man es so nennen will, Vision ist ein Austausch mit den Programmverantwortlichen, der faktenbasiert, an den Zielen orientiert, auf Augenhöhe und mit großer Verbindlichkeit geführt wird. Insofern eine positive Vision, als dass ich ihr große Realisierungschancen prognostiziere.
Wie möchten Sie sie künftig gestalten? Erste Eindrücke konnte ich schon in den Debatten um die Qualitätspapiere gewinnen und war damals schon von der Diskussionskultur, der Argumentationsstärke und der Haltung beeindruckt. Dieser Eindruck hat sich durch die Teilnehme an meiner ersten GVK-Tagung bestätigt. Die klare Haltung zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk führt nicht etwa zu einer Wagenburgmentalität, sondern bietet die Basis für eine offene, kritische und zukunftsgerichtete Diskussion. Ich bin sehr dankbar, dass ich als Person, aber wichtiger noch als Vorsitzende des Programmbeirats in diese Arbeit einbezogen bin und werde gerne einen konstruktiven Beitrag dazu leisten.
5.6.2024