3 Fragen an...

Beate Bäumer, Mitglied NDR-RR und Vorsitzende GVK-TMA

1.Wie schätzen Sie die Dominanz der Angebote ausländischer Tech-Riesen wie z.B. Google, Instagram oder TikTok bei der Suche nach Informationen ein und welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der ÖRR?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steckt in einem Dilemma und ist daran zum Teil selbst schuld. Um bestimmte Zielgruppen zu erreichen, die er über seine eigenen Ausspielwege nicht erreicht, muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf diesen Plattformen mit seinen gewohnt qualitativ hochwertigen Produkten präsent sein. Aber jede Aktivität dort stärkt ein System, das zunehmend undemokratisch, intransparent und wirtschaftlich divers abhängig ist. Aus meiner Sicht ist in Deutschland viel zu spät die Erkenntnis gewachsen, dass man den Tech-Giganten aus den USA und China etwas entgegensetzen muss und das auch kann. Der Public Spaces Incubator ist ein Beispiel für einTool für freie und faire Kommunikation im Netz und damit ein Schritt in die richtige Richtung. Aber das alles muss schneller gehen – sonst sehen wir am Ende nur noch Rücklichter.

2. Welchen Einfluss haben Ihrer Meinung nach Sprachmodelle wie ChatGPT auf die Auffindbarkeit von ARD-Produkten?

Das habe ich ChatGPT direkt mal selbst gefragt. Und das Fazit einer sehr ausführlichen Antwort mit Pro und Contra lautet: "Sprachmodelle wie ChatGPT bieten ein großes Potenzial, die Auffindbarkeit von ARD-Inhalten zu verbessern – wenn die ARD proaktiv technische Voraussetzungen schafft: strukturierte Daten, offene Schnittstellen, klare Metadaten und Sichtbarkeit in externen Quellen. Andernfalls besteht das Risiko, dass öffentlich-rechtliche Inhalte im digitalen Informationsraum unsichtbarer werden, obwohl sie hochwertig und relevant sind."

Fakt ist, dass die Relevanz von künstlicher Intelligenz wie ChatGPT bei der Suche nach Informationen sehr schnell steigt. Und mein Eindruck ist, dass das Tempo der Veränderung aktuell noch von vielen Menschen unterschätzt wird. Es braucht jetzt einerseits Richtungsentscheidungen – zum Beispiel inwiefern sich die ARD gegenüber ChatGPT & Co verhalten will und welche Zugänge die Plattformerhalten könnte – und andererseits, allgemein gesprochen, eine gute Datenpflege.

3. Wie stehen Sie zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Medienanbietern in Deutschland?

Zunächst müssen beide Seiten ein Stück des antiquierten Kästchendenkens aufgeben und wegkommen vom "wir gegen die". Statt sich in Diskussionen über Presseähnlichkeit zu verlieren, sollten private und öffentlich-rechtliche Medienanbieter gemeinsam nach vorne schauen, kooperieren und ungenutzte Potentiale heben. Wie das funktionieren kann, sehen wir bereits an erfolgreichen Investigativ-Rechercheverbünden oder an der Kooperation von funk mit der FAZ. Und letztlich: Nur gemeinsam wird es überhaupt eine Chance geben, dem globalen Plattformmarkt etwas entgegenzusetzen.

24.6.2025